Konflikte in der Schule

Ein Szenario

An einer Schule kommt es zu einer Schlägerei. Zwei Gruppen sind darin verwickelt, eine davon mit Migrationshintergrund. Die Befragung der beteiligten Schüler sowie weiterer Schüler /-innen durch den Klassenlehrer und die Schulleitung klärt weder den Anlass, noch den Hintergrund und Ablauf des Vorfalls. Einige Schüler/- innen – darunter diejenigen ohne Migrationshintergrund – sehen die Ursache in einer Schubserei, die von einem Schüler mit Migrationshintergrund begonnen wurde. Genau umgekehrt sehen es andere, insbesondere diejenigen mit Migrationshintergrund. Sie stellen den Vorfall in einen Zusammenhang mit früheren Konflikten und erklären, dass die erste Rangelei durch massive persönliche und rassistische Beleidigungen sowie aggressive Provokationen der anderen Gruppe ausgelöst worden sei. Der Klassenlehrer wiederum hat den Eindruck, dieser Vorfall war nur die Spitze eines Eisberges von gezieltem Mobbing gegen Schüler/innen mit Migrationshintergrund. Er vermutet, dass besonders einflussreiche Schüler/innen mit zumindest latent rechtsextremer Orientierung die Verursacher sind, und bringt den Vorfall in der Gesamtkonferenz zur Sprache. Gleichzeitig wendet er sich mit der Bitte um Unterstützung an das Beratungsnetzwerk.

Wie kann eine anlassbezogene Intervention aussehen?

Die Anfrage des Lehrers nimmt ein Beratungsteam entgegen, das auf entsprechende Konflikte an Schulen spezialisiert ist. Es stellt sofort einen persönlichen Kontakt her, und versichert sich danach der Zustimmung der Schulleitung. Denn ohne Erlaubnis können die externen Berater/-innen als schulfremde Personen nicht auf dem Schulgelände agieren.

Die ersten Schritte

Recherche:
Medien- und Literaturrecherche zur allgemeinen Orientierung im Sozialraum,

persönliche Befragung von relevanten Ansprechpartner/-innen aus dem Sozialraum von administrativen Akteuren zur Situation vor Ort – ohne konkrete Benennung des Falls.

Überprüfung der ersten Lageeinschätzung durch formelle und informelle Gespräche mit Lehrer/innen, ggf. Schulsozialarbeiter/innen, Schüler/innen, Betroffenen, Zeugen sowie Schülervertreter/innen und ggf. Eltern.

Die Erstgespräche orientieren sich an den folgenden Fragstellungen:

  • Gibt es zusätzliche Informationen zum Vorfall und seinen Hintergründen?
  • Was wurde bisher unternommen und was ist geplant?
  • Wie wird die Situation an der Schule insgesamt eingeschätzt?
  • Gibt es Hinweise auf interkulturelle, interethnische oder ethnisierte Gruppenkonflikte?
  • Wie wird an der Schule mit der Verschiedenheit ethnischer und soziokultureller Herkünfte umgegangen? Gibt es rassistische oder ethnisierende Zuordnungen oder Zuschreibungen vonseiten der Lehrer/-innen oder in Unterrichtsinhalten? Was wird wie und wo thematisiert?
  • Welche sind die weiteren Themen, Problemlagen, Perspektiven und Umstände, die im Kollegium, unter den Schüler/innen und in ihrem familiären und sozialen Umfeld diskutiert werden?
  • Welche sozialen und soziokulturellen Unterschiede, Veränderungen und Herausforderungen wirken auf das Miteinander in der Schule ein – und wie wird damit umgegangen?
  • Welche Ressourcen gibt es? Gibt es eine aktive Schüler- und Elternvertretung, eine Schülerzeitung, Konfliktlotsen, besondere Projekte zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Diskriminierung, zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung oder zum Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit?
  • Wie ist die Schule mit ihrem Umfeld vernetzt? Mit welchen externen Partner/-innen arbeitet sie bisher zusammen?
  • Was für Anliegen und Anforderungen haben die am Schulleben Beteiligten hinsichtlich der Schulentwicklung, der Unterstützung durch das Schulamt und/oder externe Kooperationspartner? Und welche Rolle spielt dabei der Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit bzw. die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit?
  • Wo und wie kann eine externe Beratung und moderierende Konfliktintervention unterstützen?


Beispiele für die Beratung von schulischen Akteuren und schulischen Gremien:

Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse beim Auftraggeber, dem Klassenlehrer, der Schulleitung, in den schulischen Gremien und/oder bei einzelnen Akteursgruppen wie Lehrer/innen-, Schüler/innen- und/oder Elterngruppen.

Erarbeitung und Diskussion von Handlungsempfehlungen, z.B.:

  • fallbezogene Konfliktschlichtung ggf. unter Einbeziehung weiterer Kooperationspartner wie der Schulverwaltung und spezialisierter Dienststellen, Präventionsbeamten der Polizei, Fachberatungen oder Mediatoren.
  • Anti-Gewalt-Trainings und/oder andere Workshops für Lehrer/-innen und Schüler/-innen, Konfliktlotsen- oder Peerleaderprojekte
  • Einrichtung besonderer Gremien, eines innerschulischen Meldesystems für Diskriminierungsfälle, Schulprojekttage zum Thema Rassismus.
  • Beteiligung am Projekt „Schule OHNE Rassismus – Schule MIT COURAGE“,
  • Organisation eines partizipativ orientierten Prozesses zur Leitbild- und Schulentwicklung


Vermittlung von Kontakten zu den betreffenden Einrichtungen, Projekten und Initiativen.

Autor:
Stiftung SPI
Mobiles Beratungsteam "Ostkreuz" für Demokratieentwicklung, Menschenrechte und Integration

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Die Informationsplattform der Zentralstelle kompetent. für Demokratie in der Stiftung Demokratische Jugend wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms kompetent. für Demokratie - Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus.

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