Länderposter zum aktuellen Umsetzungsstand im Saarland

Flyer des Beratungsnetzwerks Saarland

 

Zuständiges Ministerium Saarland

Länderwappen Saarland

Ministerium für Arbeit, Familie,
Prävention, Soziales und Sport
Stabsstelle „Chancen für Kinder“
Kinder-, Jugend- und Familienpolitik


Franz-Josef-Röder-Straße 23
66119 Saarbrücken

Kontakt

Ansprechpartnerin
Frau Christel Scherer

Kontakt
Tel.: 0681-501-7260

Landeskoordinierungsstelle

Ministerium für Arbeit, Familie,
Prävention, Soziales und Sport
Stabsstelle „Chancen für Kinder“
Kinder-, Jugend- und Familienpolitik
Franz-Josef-Röder-Str. 23
66119 Saarbrücken

www.arbeit.saarland.de



Beratungsnetzwerk Saarland

In jedem saarländischen Landkreis gibt es eine Anlaufstelle, bei der Betroffene und Hilfesuchende schnellen und kompetenten Rat von lokalen Beratern und Beraterinnen erhalten. Für die Landkreise St. Wendel, Saarpfalz-Kreis, Neunkirchen und Saarlouis ist das Adolf-Bender-Zentrum zuständig, im Regionalverband Saarbrücken und Landkreis Merzig-Wadern befinden sich die Beratungsstellen bei kommunalen Trägern, die auch das Bundesprogramm „VIELFALT TUT GUT“ umsetzen. In Rücksprache mit dem Landesberatungsnetzwerk, das im Kern aus einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter der Federführung des Ministeriums für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport besteht, werden auf die jeweilige Situation zugeschnittene Mobile Interventionsteams gebildet.


Mitglieder des Beratungsnetzwerks

Saarland: Hinschauen – gemeinsam mit einem ehemaligen Hooligan

Im Religionsunterricht, Klasse 9 einer saarländischen Gesamtschule, geht es um das Thema „rechtsradikale Gewalt“. Als wolle er provozieren, fragt ein Schüler, warum Symbole wie das Hakenkreuz verboten seien und stellt sein Mäppchen demonstrativ vor sich, darauf zu lesen: „SS SA Germania“. Auf sein Lineal hat er ein Hakenkreuz gemalt.
Derlei Vorfälle werden an der Schule sofort aufgearbeitet. Nach dem Unterricht setzt sich die Lehrerin mit dem Jungen zusammen. Anwesend sind auch die Didaktikleiterin und die Schoolworkerin – eine von insgesamt 60 im Saarland, die als sozialpädagogische Fachkraft an der Schule unterstützend tätig ist. Der Schüler versteht nicht, warum die Zeichen verboten sind. Wenn man dazu stünde, sagt er, könnte man sie doch aufmalen. Als zur selben Zeit in der Parallelklasse eine Zeichnung mit einem Auto, Hakenkreuz und einer Sprechblase mit „Lauf Nigger, lauf“ auftaucht, ist klar: Es besteht Handlungsbedarf.
„Hinschauen und sich dem Problem stellen“, ist die Devise von Christel Scherer in der Landeskoordinierungsstelle und ihren Kolleginnen und Kollegen in den sechs lokalen Beratungsnetzwerken. Die Landeskoordinierungsstelle ist im Bildungs- und Familienministerium verankert, „so dass wir schnellen Zugang zu den maßgeblichen Stellen in Ministerien und Spitzenverbänden haben“, so Christel Scherer. Sinnvoll ist die Vernetzung auch in diesem Fall: Die Lehrer der betroffenen Schule wollen nicht erst abwarten, bis noch mehr passiert, sondern gleich etwas tun. Ihnen steht ab sofort ein Kriseninterventionsteam zu Seite, bestehend aus Vertretern der Schule, des Landeskriminalamts, der Landeszentrale für politische Bildung und des Adolf-Bender-Zentrums, ein Verein, der sich für die Förderung demokratischer Traditionen im Saarland einsetzt.
Mit dabei ist außerdem ein ehemaliger Hooligan, der jetzt ein erfolgreicher Schauspieler ist. Die Idee: An drei Kompetenztagen, mit dem Titel „Bewusst gegen Rechts“, soll er den Schülern der Jahrgangsstufe 9 von seinen Erfahrungen aus seiner Aussteiger-Perspektive heraus berichten. „Vielleicht kann er auch gerade die Jugendlichen ansprechen, die wir sonst nicht so gut erreichen können, die aber gefährdet sind“, erhofft sich Christel Scherer von dem Referenten.
Während der Projekttage diskutieren die Schüler außerdem über Filme und Musik zur Thematik, begeben sich auf Spurensuche, wie ihre Region vom Nationalsozialismus betroffen war, und erarbeiten am Ende eine Wandzeitung mit den Ergebnissen. So werden die Inhalte dieses Projekts auch an die Eltern und die Schüler der anderen Jahrgangsstufen weitergegeben. Ein Prinzip, das wirkt – wie andere Fälle zeigen, etwa als kürzlich ein jüdischer Friedhof geschändet wurde. Hier kam der Hilferuf vom Bürgermeister, der großen Aufklärungsbedarf unter den Jugendlichen in seiner und der Nachbargemeinde anmeldete. In diesem Fall bildeten das Kriseninterventionsteam ein lokaler Berater aus dem Beratungsnetzwerk, eine Mitarbeiterin vom Adolf-Bender-Zentrum, Vertreter aus der Gemeinde und der Schule, der Synagogengemeinde Saar und dem Verein „DenkmalMit!”. Sie luden Schülervertreter und so genannte Webreporter für Toleranz, die zuvor vom Adolf-Bender-Zentrum geschult worden waren, in die jüdische Gemeinde ein. Der Auftrag der Schüler: Das, was sie in den Gesprächen mit Zeitzeugen erfahren haben, zurück in die Schule tragen.
„Vielen Jugendlichen ist oft unklar, wie sie auf Antisemitismus oder Rechtsextremismus reagieren können“, beobachtet Expertin Christel Scherer. Gerade deshalb sei es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu finden, „um aufzeigen zu können, wie leicht man in die rechte Szene ‘reinrutschen kann, aber wie man lernt, die Symbole und Parolen der Nazis zu durchschauen”.

Beratungsstelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt nimmt ihre Arbeit auf

Die Beratungsstelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt im Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport hat im August 2009 ihre Arbeit aufgenommen. Die neue Anlaufstelle bietet landesweit kompetente und kostenlose Einzelfallberatung an und ist auch aufsuchend tätig.
An die Beratungsstelle können sich Menschen oder Gruppen wenden, die von Diskriminierungen und Übergriffen mit rassistischem bzw. rechtsextremistischem Hintergrund betroffen sind. Es geht dabei nicht nur um Fremdenfeindlichkeit, sondern auch um Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen wegen der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters, des Geschlechts oder der sexuellen Identität. Den Betroffenen soll schnell und unbürokratisch geholfen werden. Das Beratungsangebot wird mit ihnen gemeinsam abgesprochen und auf das konkrete persönliche Anliegen abgestimmt. Auch bei weiterreichendem Bedarf, wie zum Beispiel juristisch oder psychosozial, werden die Betroffenen zu den zuständigen Stellen begleitet und weiterhin beratend unterstützt und betreut.
Mit dem Aufbau der Beratungsstelle sowie mit der fachlichen Beratung in Einzelfällen wurde eine Juristin mit interdisziplinären und interkulturellen Fachkenntnissen beauftragt.
Das neue Beratungsprojekt ordnet sich in die seit 2007 im Saarland bestehende Netzwerkstruktur gegen Rechtsextremismus ein, die vom Bundesprogramm „kompetent. für Demokratie – Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus“ gefördert wird. Bisher wurden im Saarland ein Landesberatungsnetzwerk mit Vertretern staatlicher Stellen sowie lokale Beratungsstellen mit Expertinnen und Experten zum Thema Rechtsextremismus installiert, die in jedem Landkreis und dem Regionalverband als Erstkontaktstellen fungieren. Die neue Beratungsstelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt kooperiert mit der Landeskoordinierungsstelle, den landesweit vorhandenen lokalen Beratungsstellen sowie mit Organisationen und Einrichtungen im Bereich Diskriminierung, Gewalt, Rassismus, Migration und Integration.
Betroffene von Diskriminierung oder rechter Gewalt wenden sich an:

Landeskoordinierungsstelle/ Beratungsstelle
c/o Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport


0681 – 501 7260


0681 – 501 5030 oder 01578 6559912

www.toleranz-netzwerk-saar.de

Logo der Stiftung Demokratische Jugend

Die Informationsplattform der Zentralstelle kompetent. für Demokratie in der Stiftung Demokratische Jugend wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms kompetent. für Demokratie - Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus.

Logo des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend