Artikel vom Dienstag, dem 09. März 2010
Der Verein "Gesicht zeigen" fordert einen Krisengipfel
BERLIN. Im Kampf gegen Rechtsextremismus hat der Vorsitzende des Vereins "Gesicht zeigen", Uwe-Karsten Heye, einen Krisengipfel von Politik, Wirtschaft und Kultur gefordert. Wenn es um Rechtsextremismus gehe, "dürfen wir nicht so tun, als ob wir über ideologische Fragen sprechen, sondern müssen der sozialen Wirklichkeit ins Auge schauen", sagte Heye.
Christian Siepmann
Brand im Januar: Jetzt ermittelt eine Sonderkommission
ZOSSEN. Der Brandanschlag im Januar auf das "Haus der Demokratie" in Zossen (Teltow-Fläming) sah zunächst aus wie die Tat eines Einzeltäters aus der rechtsextremen Szene. Gerade einmal fünf Monate hatte der Verein "Zossen zeigt Gesicht" gegen die Verfestigung von Neonazis-Strukturen im Ort gearbeitet, als das Haus am 22. Januar bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Jens Blankennagel
Die Zahl der rechtsextremen Delikte hat sich seit 2001 verdoppelt. Wichtigste Zielgruppe der Neonazis bleiben Jugendliche. Der Verein "Gesicht zeigen!" fordert ein Gipfeltreffen.
Alle 26 Minuten passiert in Deutschland statistisch gesehen eine rechtsextrem motivierte Straftat - 2008 waren es rund 20.000, für 2009 wird, wenn die Nachmeldungen eingegangen sind, eine ähnliche Zahl erwartet.
FRAUKE BÖGER
SACHSEN Was ist, wenn der Sohn nach rechts abdriftet? Das Modellprojekt "Recall" berät besorgte Eltern. Meist melden sich die Mütter
DRESDEN taz "Mein Sohn ist eigentlich ein sehr guter Mensch …" Mit dieser Floskel beginnen viele Mütter von Jugendlichen, die in die rechte Szene abgedriftet sind, ein Beratungsgespräch. Dass sie die Möglichkeit eines Gesprächs überhaupt haben, ist dem seit 2007 in Sachsen laufenden Bundesmodellprojekt "Recall" zu verdanken.
MICHAEL BARTSCH
LINKSEXTREMISMUS Nach erneutem Freispruch in einem Autobrandstiftungsprozess weist die Polizei Kritik an den Ermittlungen zurück
Viel Häme und Kritik haben die Ermittlungsbehörden nach dem neuerlichen Freispruch in einem Autobrandstiftungsprozess letzte Woche einstecken müssen.
PLUTONIA PLARRE
ANSCHLÄGE Unbekannte schänden Holocaustdenkmal und bedrohen Bürger. Auch Stadt will jetzt reagieren
Sechs Wochen nach dem Brandanschlag auf das Haus der Demokratie sorgen Rechtsradikale erneut für Unruhe in Zossen: Einem Mitglied der Bürgerinitiative "Zossen zeigt Gesicht" haben Unbekannte in der Nacht auf Sonntag die Drohung "Du stirbst bald" und ein Hakenkreuz an die Wand seines Geschäfts geschmiert.
BERND SKISCHALLY
DROHBRIEFE Nach Dresden-Demo erhielten 18 Institutionen und Personen Hasspost
Die Bedrohungen von Unterstützern der Gegendemonstration zum Neonazi-Aufmarsch am 13. Februar in Dresden beschäftigen jetzt auch den Berliner Staatsschutz
Zossen – Mehr Rechtsextreme als bislang bekannt waren offenbar an dem Brandanschlag auf das „Haus der Demokratie“ Ende Januar in Zossen (Teltow-Fläming) beteiligt.
Alexander Fröhlich
Die Allianz gegen Rechtsextremismus warnt vor einer zunehmenden Verbreitung neonazistischen Gedankenguts in der Metropolregion.
NPD und freie Kameradschaften setzten immer häufiger soziale Themen auf ihre Agenda, warnte Stephan Doll, DGB-Chef von Mittelfranken und stellvertretender Vorsitzender der Allianz, im Gespräch mit der NZ.
KAMPAGNE Veranstaltungen in 70 Städten
Hannover - Mehr als 110 Schulen, Vereine und Unternehmen in über 70 Städten in Niedersachsen beteiligen sich am kommenden Montag (15.3.) an einer landesweiten Kampagne für mehr Zivilcourage.
Eberswalde/Zossen (dpa/bb) - Bei dem Brandanschlag auf das Haus der Demokratie in Zossen (Teltow-Fläming) gibt es neben dem geständigen 16-jährigen mutmaßlichen Brandstifter vermutlich Komplizen. Gegenwärtig werde gegen insgesamt sechs verdächtige Teilnehmer beziehungsweise Mittäter im Alter von 13 bis 23 Jahren ermittelt, teilte das Landeskriminalamt (LKA) am Montag in Eberswalde (Barnim) mit.
Berlin (dpa/bb) - Nach einem fremdenfeindlichen Überfall auf zwei Iraner in Berlin-Wedding kommen die mutmaßlichen Schläger jetzt vor Gericht. Der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung beginnt am 16. März, teilte das Landgericht am Montag mit.
Wiesbadener Bündnis gegen rechts mobilisiert gegen Sarrazin-Auftritt im Hessischen Integrationsministerium. Ein Gespräch mit Manuela Schon
Interview: Gitta Düperthal
In Berlin häufen sich Neonaziübergriffe. Schon Ende vergangenen Jahres gab es eine Angriffswelle auf verschiedene Initiativen und kulturelle Einrichtungen in Berlin-Neukölln. Seit Beginn 2010 werden in ganz Berlin nahezu wöchentlich Scheiben eingeschlagen oder bedrohende Graffiti gesprüht. Selbst Morddrohungen wurden verschickt. Doch es formen sich in den einzelnen Kiezen sowie berlinweit engagierte Bündnisse zur Vernetzung und Unterstützung gegen die Angriffe.
Nora Winter