„Konzepte gegen Rechts“ - Modellprojekte vorgestellt!

„Jugendfeuerwehren – strukturfit für Demokratie“ in Hessen

von Kerstin Müller

Im Dezember 2008 fiel der Startschuss zum Modellprojekt „Jugendfeuerwehren strukturfit für Demokratie“. Seitdem machen sich Jugendfeuerwehren in den sechs Bundesländern Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf den Weg, landesspezifische Kommunikationsmodelle und Handreichungen für Jugendfeuerwehrwarte und JuLeiCa Trainer zu entwickeln. Grundanliegen des Projektes ist die Entwicklung einer breit angelegten und dauerhaften demokratischen Grundhaltung gegen rechtsextremistisches Gedankengut und die Implementierung von Handlungsoptionen gegen antidemokratische oder rechtsextreme Vorgänge bei allen Akteuren auf lokaler, Kreis- und Landesebene der Jugendfeuerwehr.

Eines der teilnehmenden Bundesländer ist Hessen. Hier arbeiten die „Rex-Lotsen“ aktiv daran, Aufklärung, Beratung und Hilfe im ganzen Bundesland zu etablieren Ein Interview mit Michael Kittel, stellv. Landes-Jugend-Feuerwehrwart der Hessischen Jugendfeuerwehrr, über den aktuellen Projektstand, die Kooperation mit neuen Partnern und Online-Hilfen für alle.

Was war der Ausgangspunkt für Sie, als Bundesland Hessen an dem Modellprojekt teilzunehmen?
Wir, als Hessische Jugendfeuerwehren, versuchen mit allen Aktionen am „Zahn der Zeit“ zu arbeiten. Das Modellprojekt ist nicht nur zeitnah, sondern auch zukunftsorientiert. Der wichtigste Punkt ist für uns hierbei die Aufklärungsarbeit bis an die Basis und die zugehörige Sensibilisierung vieler Beteiligter im Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus.

Welche Situation herrscht denn bezüglich rechtsextremen Tendenzen und Vorfällen in Hessen?
Zunächst hatten wir dieses Thema gar nicht im Fokus. Die Aussage: „Bei uns ist die Welt doch noch in Ordnung“ hat sich zu Beginn natürlich eingeschlichen. Doch bei genauerem Hinschauen haben wir in den Medien auch von rechtsextremistischen Vorfällen in Hessen erfahren. Doch - Gott sei Dank - noch nicht in den (Jugend)Feuerwehren.

Was haben Sie vor dem Modellprojekt als Landesfeuerwehr schon zu diesem Thema unternommen?
Ehrlich gesagt, noch gar nichts. Wir haben erst mit Beginn des Modellprojektes entschlossen, uns damit näher zu befassen und die damit zusammenhängende Arbeit als eine wichtige Form der Prävention anzusehen.

Seit Dezember 2008 läuft das Modellprojekt jetzt schon. Seitdem sind aus dem Projekt bei Ihnen die „Rex-Lotsen“ entstanden. Wer sind sie und was machen diese Lotsen?
Die REX-Lotsen in Hessen sind engagierte und fachkompetente Vertreter der Kreisjugendfeuerwehren, die sich in einem Arbeitskreis zusammengeschlossen haben. Sie sind in ganz Hessen verteilt und lassen sich fachlich und methodisch ausbilden, um bei Bedarf – also bei rechtsextremen Vorfällen oder Tendenzen - schnell als Ansprechpartner vor Ort da zu sein. Der Personenstamm von 8 – 10 Personen trifft sich mehrmals im Jahr zur eigenen Fort- und Weiterbildung zu diesem Thema. Dort wird unter anderem die Gesprächsführung verbessert, das Hintergrundwissen intensiviert und über rechtliche Abgrenzungen informiert. Ebenso erarbeiten die REX-Losen ein mögliches Konzept, welches die eigenständige Mitgliedschaft im Beratungsnetzwerk Hessen ermöglicht.

Wie wird das Projekt bisher innerhalb Ihres Verbandes aufgenommen? Ist es schwer, neue Rex-Lotsen für das Projekt zu gewinnen?
Sicherlich war ich mir als Projektverantwortlicher in Hessen bei der Umsetzung des Projektes von der Landesebene auf die Kreisebene und darüber hinweg im Klaren, das die Visualisierung und Sensibilisierung dieser Entscheidungsträger nicht einfach sein wird – aber eine sehr wichtige Schnittstelle ist. Schließlich handelt es sich ja um kein (Jugend)Feuerwehr – Thema im Allgemeinen. Doch nach erfolgreicher Sensibilisierungsphase hat sich schon zu Projektbeginn eine sehr kompetente und arbeitswillige Gruppe gebildet, welche nunmehr fester Bestandteil in der zukunftsorientierten Arbeit der Hessischen Jugendfeuerwehr geworden ist.

Ihr Schwerpunkt liegt momentan bei der Entwicklung des Kommunikationsmodells. Wo stehen Sie und was sind die nächsten Schritte?
Ziel und vor allem Schwerpunkt des Kommunikationsmodells in Hessen ist es, den Jugendfeuerwehrwarten und Jugendbetreuern schnell und unkompliziert fachkompetente Hilfe und Beratung anzubieten. Hierzu nutzen wir zukünftig ein Online-Formular, welches auf unserer Homepage als so genannter „Notrufmelder“ integriert sein wird. Dieser Weg hilft uns, zunächst alle lokalen und regionalen Hilfs- und Beratungsbedarfe transportiert zu bekommen und diese dann im REX-Lotsen Team untereinander zu kommunizieren. Einen offiziellen Startschuss hierfür planen wir medienwirksam im Frühjahr 2010.

Sie haben es angesprochen: 2010 werden Sie mit den Rex-Lotsen Mitglied im Beratungsnetzwerk Hessen werden. Was bedeutet diese Kooperation mit anderen Partnern wie der Sportjugend und dem Landesjugendring für Sie und das Projekt?
Für uns wird es ein spannender Moment, denn der Einstieg in das Beratungsnetzwerk Hessen ist sowohl für uns als auch für das Beratungsnetzwerk ein Novum. Meines Wissens nach sind wir dann der einzige Jugendverband, der zum einen sehr flächendeckend positioniert ist, der aber vor allem ausschließlich ehrenamtlich in dem Themenbereich Rechtsextremismus tätig sein wird. Das Beratungsnetzwerk versteht sich zudem als Partnernetzwerk, in dem sich alle gegenseitig unterstützen –in der Prävention als auch in der Aufarbeitung akuter Vorfälle. Für uns wird es ein neuer und spannender Schritt sein, auf den wir uns sehr freuen.

Wo liegt in Ihren Augen das besondere Potenzial von dem Modellprojekt „strukturfit für Demokratie“ ?
Eines der doch vielfältigen Potentiale dieses Modellprojektes liegt sicherlich darin, das es auch nach der Förderzeit übertragbar und weiter ausbaubar sein wird. Die bisherige Erfahrung zeigt uns, wie interessiert und engagiert die Beteiligten bisher mitmachen. Das Projekt gewinnt zunehmend an Charakter und ist durch die Vielfältigkeit in den teilnehmenden Ländern zu einem tollen Modell geworden, das sehr schnell schon zu einem festen Bestandteil in der täglichen Jugendarbeit geworden ist.

Mit welcher Vision blicken Sie in die verbleibende Projektzeit?
Das Modellprojekt ist sicherlich eines der besten Aktionen, an dem sich die Deutsche Jugendfeuerwehr in der Vergangenheit engagiert hat. Ich wünsche allen beteiligten Ländern, aber auch denen, die nicht aktiv mitmachen, das sie sich zukünftig verstärkt und mit allen Kräften um die Bekämpfung von Rechtsextremismus in den Vereinen, vor allem in den (Jugend)Feuerwehren, einsetzen. Außerdem wünsche ich mir schon jetzt dass dieses Projekt auch nach 2010 noch ebenso erfolgreich weiterläuft, wie in der aktuellen Phase. Es macht Spaß, den Erfolg dieses Projektes mitzugestalten.

WEITERE INFORMATIONEN:
Das Modellprojekt „Jugendfeuerwehren - strukturfit für Demokratie“ im Internet:
www.demokratie.jugendfeuerwehr.de

Ansprechpartner für das Modellprojekt in Hessen:
Landesjugendfeuerwehr Hessen
Michael Kittel
stv. Landes-Jugend-Feuerwehrwart
Tel. 06185-899100


Ansprechpartnerin für das Modellprojekt bei der Deutschen Jugendfeuerwehr:
Nastassja Nefjodov
Tel.: 030/ 2888488-14

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Die Informationsplattform der Zentralstelle kompetent. für Demokratie in der Stiftung Demokratische Jugend wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms kompetent. für Demokratie - Beratungsnetzwerke gegen Rechtsextremismus.

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