Teil 1: „Jugendfeuerwehren strukturfit für Demokratie“ in Brandenburg
von Kerstin Müller
Im Dezember 2008 fiel der Startschuss zum Modellprojekt „Jugendfeuerwehren strukturfit für Demokratie“. Seitdem machen sich Jugendfeuerwehren in den sechs Bundesländern Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf den Weg, landesspezifische Kommunikationsmodelle und Handreichungen für Jugendfeuerwehrwarte und JuLeiCa Trainer zu entwickeln. Grundanliegen des Projektes ist die Entwicklung einer breit angelegten und dauerhaften demokratischen Grundhaltung gegen rechtsextremistisches Gedankengut und die Implementierung von Handlungsoptionen gegen antidemokratische oder rechtsextreme Vorgänge bei allen Akteuren auf lokaler, Kreis- und Landesebene der Jugendfeuerwehr.
Eines der teilnehmenden Bundesländer ist Brandenburg. Hier wird im Herbst die Handreichung für die JuLeiCa-Ausbildung verbreitet. Ein Interview mit Cordula Mittelstädt, Fachbereichsleiterin Bildung in der Landesjugendfeuerwehr Brandenburg über den Projektstand, die Potenziale einer länderübergreifenden Zusammenarbeit und die nächsten Schritte in Brandenburg.
Was war der Ausgangspunkt für Sie, als Bundesland Brandenburg an dem Modellprojekt teilzunehmen?
Als Landesjugendfeuerwehr Brandenburg haben wir bereits vor einigen Jahren erkannt, dass es wichtig ist, insbesondere Jugendgruppenleiter für die Thematik Rechtsextremismus zu sensibilisieren und sie vor allem mit Informationen zu versorgen.
Welche Situation herrscht denn in Brandenburg?
In verschiedenen Regionen Brandenburgs sind leider immer wieder Vorkommnisse des Rechtsextremismus zu verzeichnen. Eine umfangreiche Aufklärungsarbeit ist unbedingt notwendig, um dem entgegen zu wirken.
Was haben Sie bisher als Landesfeuerwehr zu diesem Thema unternommen?
Seit 2007 haben wir bereits das bestehende Angebot des Verfassungsschutzes für die JuLeiCa-Ausbildung genutzt und eng mit dem Landesjugendring zusammengearbeitet. Darüber hinaus haben wir immer wieder mitbekommen, wie das Thema Rechtsextremismus für die JuLeiCa – Ausbildung aufgegriffen wurde. So war das Modellprojekt „strukturfit für Demokratie“ in unserem Verband natürlich willkommen, um sich im Bereich der Feuerwehren und Jugendfeuerwehren mit dem Thema weiter auseinander zu setzen und gemeinsam zu überlegen, wie es noch intensiver und vor allem nachhaltiger in der JuLeiCa – Ausbildung untergebracht werden kann.
Seit Dezember läuft das Modellprojekt jetzt schon. Was ist bereits vorangetrieben worden?
Es haben sich länderspezifische Arbeitsgruppen gebildet, die gemeinsam zum Kommunikationsmodell arbeiten und länderübergreifende Gruppen, die das JuLeiCa-Bildungsmodul konzipieren. Im Kommunikationsmodell wurden für die teilnehmenden Bundesländer Möglichkeiten der Kommunikation und Hilfe gesucht, diskutiert und gefunden. Hier wird jedes Bundesland sein eigenes Modell integrieren. Im Bildungsmodul geht es um die Schaffung einer allgemeingültigen Handreichung, die informiert, wo und wie das Thema Rechtsextremismus in die JuLeiCa Ausbildung eingebaut werden kann.
Wer ist denn die genaue Zielgruppe dieser Kommunikations- und Bildungsmodule?
Hauptzielgruppe sind in erster Linie die Jugendfeuerwehrwarte und ihre Helfer, die im Rahmen ihrer JuLeiCa-Ausbildung das nötige Rüstzeug erhalten und entsprechend mit ihren Kindern und Jugendlichen vor Ort an und zu diesem Thema arbeiten können. Dem zukünftigen Jugendgruppenleiter werden so Informationen aber auch konkrete Methoden, Spiele und Ratgeber mitgegeben, die für die Bearbeitung des Themas und zur Anwendung in der eigenen Jugendgruppe weiterhelfen. Das gleiche gilt für die Kommunikationsmodule. Jugendwarten soll es ermöglicht werden, schnell, unkompliziert und möglichst online rechtsextreme Vorfälle direkt in den Landesfeuerwehrverband hinein zu kommunizieren und fachlich beraten zu werden.
Sie haben von länderübergreifenden Arbeitsgruppen für die Konzipierung des Bildungsmoduls gesprochen. Was bedeutet Ihnen der Austausch zu den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern für das Modellprojekt?
Der Austausch unter den teilnehmenden Bundesländern spielt eine wichtige Rolle. Es ist interessant für uns zu sehen, wo die einzelnen Bundesländer in Bezug zu diesem Thema stehen und was gebraucht wird, um „strukturfit für Demokratie“ werden zu können. Diese Möglichkeit zum Austausch war für uns auch eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme an dem Modellprojekt. Für die Teilnehmer der einzelnen Bundesländer liegt im gemeinsamen Erfahrungsaustausch der größte Gewinn. Jedes Bundesland hat sich in seinem Verband bereits mit dem Thema auseinander gesetzt, so dass im Austausch darüber voneinander gelernt werden kann. Für das Bildungsmodul und die entstehende JuLeiCa-Handreichung sind damit die besten Voraussetzungen gegeben.
Wo liegt in Ihren Augen das Potenzial von dem Modellprojekt „strukturfit für Demokratie“ ?
Das große Potenzial liegt eindeutig in genau dieser Möglichkeit, durch gemeinsames Arbeiten allen Jugendfeuerwehren in der gesamten Bundesrepublik das nötige Rüstzeug mitzugeben, rechtsextremistisches Verhalten zu erkennen und diesem energisch zu begegnen. Die bisherige Projektarbeit hat gezeigt, wie sinnvoll es ist, sich einem bundesweiten Thema durch länderübergreifende Bearbeitung und Erörterung zu stellen. Aus verschiedenen Perspektiven gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie sie auf Landesebene nur schwer zu finden wären. Wichtig wird es deshalb auch sein, die positiven Erfahrungen und Ergebnisse auch weit über die Projektzeit hinaus in der Praxis umsetzen zu können.
Welcher Schritt ist der nächste in Brandenburg?
Im Herbst verbreiten wir unsere im Modellprojekt entstandene neue JuLeiCa-Handreichung zum Thema Rechtsextremismus an alle sich ausbildenden Jugendwarte. Es wird extra Schulungen geben und begleitende Veranstaltungen, die auf unsere Handreichung aufmerksam machen. Das wird eine spannende Zeit, darauf freuen wir uns sehr.
Mit welcher Vision blicken Sie in die verbleibende Projektzeit?
Ich wünsche mir, dass es uns allen gemeinsam gelingt, in der verbleibenden Projektzeit für das Bildungsmodul eine Handreichung zu dem Thema zu schaffen, die allen Jugendfeuerwehren in ganz Deutschland nützlich sein kann. Im Kommunikationsmodell sollte es gelingen, einem Hilfesuchenden zu diesem Thema, die entsprechende Hilfe so schnell wie möglich zu vermitteln. Besonders wichtig wird es aber sein, die Weiterfinanzierung des Druckes unserer JuLeiCa-Handreichung sicherzustellen und so die laufende Weiterentwicklung und Aktualisierungen des Projektes zu gewährleisten.
WEITERE INFORMATIONEN:
Das Modellprojekt „Jugendfeuerwehren - strukturfit für Demokratie“ im Internet: www.demokratie.jugendfeuerwehr.de
Ansprechpartnerin für das Modellprojekt in Brandenburg:
Landesjugendfeuerwehr Brandenburg
Cordula Mittelstädt
Fachbereich Bildung
Tel: 035326 / 93832
Ansprechpartnerin für das Modellprojekt bei der Deutschen Jugendfeuerwehr:
Nastassja Nefjodov
Tel.: 030/ 2888488-14



