Sven Gänger
Schule und Ethnozentrismus. Die subjektive Wahrnehmung von Sozialisationsinstanzen und ihre Bedeutung für die Entstehung politischer Orientierungen
Schwalbach/Ts., Wochenschau Verlag 2007.
Zahlreiche empirische Studien belegen, dass die Schule, neben der Familie und der Gleichaltrigengruppe, ein wichtiger Einflussfaktor in der Entstehung von politischen Einstellungen ist. Auch die Herausbildung von Vorurteilen gegenüber „Fremden“ bis hin zu fremdenfeindlichen und rechtsextremistischen Einstellungen findet in diesem „Sozialisationsdreieck“ seinen Ursprung. Der Erziehungswissenschaftler Sven Gänger fragt in seiner qualitativen Studie, welchen Beitrag die Schule zum Aufbau oder zur Reduzierung von so genannten „ethnozentristischen Orientierungen“ leistet. Damit schließt er eine wichtige Forschungslücke.
Christel Hopf, Peter Rieker, Martina Sanden-Marcus, Christiane Schmidt
Familie und Rechtsextremismus. Familiale Sozialisation und rechtsextreme Orientierungen junger Männer
Weinheim und München 1995, Juventa, 215 S.
Auf das Erscheinungsjahr blickend, erscheint die Studie „Familie und Rechtsextremismus“ sicherlich nicht mehr aktuell. Trotzdem lohnt sich ihre Lektüre immer noch, denn das empirische Feld zur Bedeutung der Familie in der Herausbildung von rechtsextremen Einstellungen ist nach wie vor kaum bestellt. Die Autoren verfolgen die Frage, wie sich die frühen sozialen Erfahrungen, die in der Familie gemacht wurden und individuell verschieden bis in die Gegenwart nachwirken, auf die Anfälligkeit für rechtsextreme Neigungen auswirken. Die Qualität der elterlichen Bindung stellt sich dabei als entscheidender Faktor heraus.
Michaela Köttig
Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen und junger Frauen. Biographische Verläufe im Kontext der Familien- und Gruppendynamik
Gießen, Psychosozial-Verlag 2004, 402 S.
Die Rolle von Mädchen und Frauen in der rechtsextremen Szene ist in den Sozialwissenschaften bisher wenig untersucht worden. Die vorliegende qualitative Studie der Sozialwissenschaftlerin Michaela Köttig ermöglicht neue Einblicke in das Phänomen „Frauen und Rechtsextremismus“. Neben 38 biografisch-narrativen Interviews mit Mädchen und jungen Frauen stellt die Autorin drei ausführliche Fallbeispiele vor. Die gelungene Rekonstruktion der rechtsextrem orientierten Selbstbilder, die Darstellung von familiären Einflüssen und die Bedeutung des Cliquenkontexts ermöglichen dem Leser einen guten Einblick in die Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen. Die Beantwortung der Forschungsfrage, welchen Einfluss biografische Erfahrungen auf die Veränderung der politischen Einstellungen haben, gerät dabei jedoch in den Hintergrund.
Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall
„Opa war kein Nazi“. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis Frankfurt/M., Fischer Taschenbuch Verlag 2002, 250 S.
Familie ist ein Ort, an dem Geschichte vermittelt wird. Auch das Wissen über den Nationalsozialismus und den Holocaust kann hier seinen Ursprung finden. Das Forscherteam um den Sozialpsychologen Harald Welzer geht deshalb der Frage nach, wie sich in Familien eine solche Wissensvermittlung der nationalsozialistischen Vergangenheit vollziehen kann. Die Studie stellt dabei auch einen wichtigen Beitrag zur Erklärung von Rechtsextremismus dar, weil ein positives Bild vom Dritten Reich („Pronazismus“) für ein rechtextremistisches Weltbild ein wichtiger Baustein sein kann.